Intangible assets

Montag, 12. Mai 2008 at 9:02 | In Nachrichten | Leave a Comment

Seit einigen Wochen geistert ein vermeintliches Zitat Hilmar Koppers durch das Internet und nun auch durchs Fernsehen (Gründwald Freitagscomedy vom 9. Mai 2008). Der ehemalige Vorstand der Deutschen Bank solle angeblich folgenden, mit Anglizismen getränkten Ausspruch gemacht haben:

Jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!

Auch wenn Herr Kopper und seine Kollegen schon öfter mal mit falscher Wortwahl auffielen, so ist ein solcher Satz selbst unter deutschen Managern doch eher unwahrscheinlich. Aber die Empörung ist groß. Und alle Seiten und Blogs so wie auch der Wikipedia-Eintrag zu Hilmar Kopper berufen sich bei diesem Zitat auf eine einzige Quelle: sueddeutsche.de. Hier wird in einer Bildstrecke zum Thema Anglizismen dieses Zitat genannt (Bild 8).

Schaut man etwas genauer hin, erkennt man, dass Hilmar Kopper in dieser Bildstrecke gar nicht als Zitatgeber angegeben ist. Durch die unglücklich formulierten Bildunterschriften entsteht lediglich der Eindruck, Deutschland hätte seinen neuen Meister der Sprachpanscherei gefunden. In Bild 7 wird Kopper richtigerweise als Verwender des Wortes ‘Peanuts’ gezeigt, mit dem Hinweis, dass jeder in der Ökonomie ihm fortan nacheifern wolle. Der Klick auf das nächste Bild bringt dieses ‘Jeder-muss-im-job-permanently’-Zitat; Hilmar Kopper wird noch einmal erwähnt mit „Die nüchterne Sprach-Brillanz, mit der Hilmar Kopper solitär funkelnde accents zu setzen wusste, blieb allerdings bis heute unerreicht.“ Der einzige Zusammenhang zwischen Zitat und ihm ist die räumliche Nähe. Mehr nicht.

Als Quelle für den Anglizismen-Satz gibt sueddeutsche.de das Buch ‘Business Denglisch – The book for the better moneymaking’ an. Da wird der vermeintliche Ausspruch in der Kurzbeschreibung genannt. Jedoch ohne Hinweis auf Hilmar Kopper oder einen anderen Zitatgeber. Es liegt also nahe, dass es sich dabei um einen konstruierten Satz handelt, der zur Verdeutlichung und zum Ankurbeln der Buchverkäufe als besonders schweres Negativbeispiel herhalten sollte. Hilmar Kopper ist also (ausnahmsweise mal) unschuldig.

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