Alter vor Schwanz

Sonntag, 25. Januar 2009 at 16:13 | In Comedy, Fernsehen | Leave a Comment

Dschungelqueen Ingrid mit Dirk und SonjaDie vierte Staffel der Dschungelshow (‘Ich bin ein Star – holt mich hier raus‘) ist vorbei. Die 77-jährige Ingrid van Bergen wurde von den Zuschauern zur Dschungelkönigin gewählt, auch wenn sie lediglich mit gelegentlichen Zickereien und Lästereien auffiel und ansonsten gefühlt so wenig aktiv war wie Günther Kaufmann. Vielleicht deshalb, weil die anderen Campbewohner sie schonten und ihr viele Arbeiten abnahmen. Während Lotte London mit einem Palmbikini-Tanz auf sich aufmerksam machen musste, warf Ingrid einfach nur ihr Alter in die Waagschale.

Ohnehin ist die Teilnahme am Dschungelcamp in diesem Alter ein bisschen wie die frühere Kinderwette bei ‘Wetten, dass..?’: Egal was man macht (oder nicht macht), der Gewinn ist einem garantiert und die anderen Teilnehmer sind nahezu chancenlos. Das ZDF änderte irgendwann die Spielregeln und auch RTL wird das nun sicherlich tun, will doch eine 77-Jährige nicht so richtig ins Programm passen. Die älteren Zuschauer, die sie anziehen könnte, möchte man doch lieber Sat.1 oder dem Zweiten überlassen. Ingrid selbst hofft allerdings noch auf eine eigene, komische Sendung bei RTL.

Aprops ZDF: Während sich ‘Wetten, dass..?’ zu Scheißwetten herablässt, sind die Medien oft noch davon überzeugt, die Deutschen schauten das Dschungelcamp deshalb so gerne, weil sie Ekelfernsehen mögen. Dabei ist das Runterwürgen von Känguru-Hoden nicht mal halb so unterhaltsam wie die bösen Kommentare des Moderatorenduos Sonja und Dirk. Sie bzw. ihre Gagschreiber sind das, was die Sendung ausmacht und was das Dschungelcamp zur Comedy aufgewertet hat. Natürlich stets mit Hilfe ein paar abgehalfterter Promis, die den beiden genügend dankbare Steilvorlagen bieten.

Teilnehmer am Dschungelcamp, die medial nicht so gut wegkamen, erheben danach meist Vorwürfe gegen RTL, bewusst verzerrt dargestellt worden zu sein. Und sie haben sogar Recht. Die D-Promis sind in den meisten Fällen nicht so interessant, als dass sie sich in ihrer Art und ihrem Tun von den anderen Teilnehmern unterscheiden würden. Zumindest haben sie zu wenig Unterscheidungskraft, um in einer täglichen einstündigen Sendung vollcharakteristisch dargestellt werden zu können. Doch um Anrufe zu generieren und den Zuschauern kein Promi-Einerlei vorzusetzen, müssen die Teilnehmer eigene Identitäten aufweisen. Hierzu werden besondere Eigenschaften, die diese Personen ausmachen, hervorgehoben und andere, belanglose weggeschnitten. Wäre Günther Kaufmann wie auf Ecstasy gewesen, wäre er nicht als ewig schlafender fauler Sack dargestellt worden. Hätte Michael Meziani mal was interessantes gesagt, hätte man ihn nicht als unwichtig dargestellt. Und hätte sich Giulia Siegel nicht so phobienreich, egomanisch, verwöhnt, unterkühlt, distanziert und arrogant gezeigt, dann wäre sie als … äh, …moment … ähm … (auweia, bei ihr wird es wirklich schwer, was positives zu finden) … nein, geht nicht … sie kann man sich anders einfach nicht vorstellen.

Ich freue mich jedenfalls schon auf die fünfte Staffel. Hoffentlich wieder mit Sonja und Dirk. Und guten Gagschreibern.

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